In der Kantine greife ich mir ein Tablett, eine Serviette, ein Messer, eine Gabel, einen Löffel und stelle mich in eine der Reihen, um etwas Vegetarisches, etwas Paniertes, etwas Gedünstetes zu kaufen und es mit Kollegen zu verspeisen, denen ich nichts zu sagen haben und trotzdem viel erzähle, das meiste davon erlogen, aber wortreich und mit bemüht vielen Pointen geschmückt, ein täglich gleichbleibendes Ritual, wie nun das Warten auf jene Kollegen, die eine längere Schlange gewählt haben, oder das Spähen nach einem freien Tisch.
Das alles denke ich beim Anblick der in ihrer weißen Bluse etwas zu dünnen Frau B., einer recht dummen Pute mit schlechter Frisur, aber mit guten langen Beinen unter einem grauen Bleistiftrock, und Fischnetz-Strümpfen, die sich eng um die Muskeln ihrer Waden spannen. Sie hält ein Tablett mit Königsberger Klopsen in den Händen, drei nackte Kugeln aus Hackfleisch in einer trübsinnig weißlichen Sauce, die mich an die Sauce zum gestrigen Fisch und an die Sauce zum Putengeschnetzelten von letzter Woche erinnert, und an mein Sperma auf dem Abzug eines Fotos von ihr, das ich letztes Jahr bei der Weihnachtsfeier geknipst habe, sie hatte glaube ich dasselbe an.
Velhagens Vehlerhafte Alltagsbeobachtungen | Nachlässige Notizen | Grummeliges Geschmier | Privates Pissior
Freitag, 20. November 2009
Freitag, 13. November 2009
Mordslust
Ich treffe einen Kollegen aus R&D im Coffee Shop.
- Wie gehts?
- Heute lustlos. Und selbst?
- Die übliche Standardhölle. Manchmal möchte ich alle ermorden...
- Bemüh Dich nicht. Sie werden doch ohnehin alle sterben.
- Einen fat-free Lattucino caramel to go medium, bitte.
- Wie gehts?
- Heute lustlos. Und selbst?
- Die übliche Standardhölle. Manchmal möchte ich alle ermorden...
- Bemüh Dich nicht. Sie werden doch ohnehin alle sterben.
- Einen fat-free Lattucino caramel to go medium, bitte.
Donnerstag, 12. November 2009
Frischhalteparolen
Abendliches Geschäftsessen, Besprechung der Präse für das Meeting am xx:yy, um yy:zz.
- Ich hätte die Muscheln gestern essen sollen.
- Warum?
- Da wären sie noch frisch gewesen.
Weniger später würge ich beim Anblick des Urinals, eine verkehrt herum aufgehängte Version von Marcel Duchamps "Fountain", und denke daran, dass angeblich jede zweite Muschel Hepatitis A hat.
- Ich hätte die Muscheln gestern essen sollen.
- Warum?
- Da wären sie noch frisch gewesen.
Weniger später würge ich beim Anblick des Urinals, eine verkehrt herum aufgehängte Version von Marcel Duchamps "Fountain", und denke daran, dass angeblich jede zweite Muschel Hepatitis A hat.
Montag, 2. November 2009
Ein Reflex des Himmels
Früher sagte meine Mutter, nur gute Menschen kämen in den Himmel. Früher sah ich von meinem Arbeitsplatz aus nur den grauen novembergrauen Himmel.
Le Chef sagte früher:
- Deprimierender Anblick, nicht? Aber viel deprimierender ist doch, dass das nun für sechs Monate so bleibt.
Dann verschwand er wieder in seinem Einzelzimmer mit Blick auf den Himmel.
Heute werde ich umgesetzt. Noch immer sehe den grauen Himmel, doch nun nur noch den, der sich in Stahl und Glas spiegelt. Ich werde diesen Anblick fotografieren und daraus ein Wallpaper für mein Notebook machen. Das wird dem Gerät eine individuelle Note geben.
Le Chef sagte früher:
- Deprimierender Anblick, nicht? Aber viel deprimierender ist doch, dass das nun für sechs Monate so bleibt.
Dann verschwand er wieder in seinem Einzelzimmer mit Blick auf den Himmel.
Heute werde ich umgesetzt. Noch immer sehe den grauen Himmel, doch nun nur noch den, der sich in Stahl und Glas spiegelt. Ich werde diesen Anblick fotografieren und daraus ein Wallpaper für mein Notebook machen. Das wird dem Gerät eine individuelle Note geben.
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