In der Kantine greife ich mir ein Tablett, eine Serviette, ein Messer, eine Gabel, einen Löffel und stelle mich in eine der Reihen, um etwas Vegetarisches, etwas Paniertes, etwas Gedünstetes zu kaufen und es mit Kollegen zu verspeisen, denen ich nichts zu sagen haben und trotzdem viel erzähle, das meiste davon erlogen, aber wortreich und mit bemüht vielen Pointen geschmückt, ein täglich gleichbleibendes Ritual, wie nun das Warten auf jene Kollegen, die eine längere Schlange gewählt haben, oder das Spähen nach einem freien Tisch.
Das alles denke ich beim Anblick der in ihrer weißen Bluse etwas zu dünnen Frau B., einer recht dummen Pute mit schlechter Frisur, aber mit guten langen Beinen unter einem grauen Bleistiftrock, und Fischnetz-Strümpfen, die sich eng um die Muskeln ihrer Waden spannen. Sie hält ein Tablett mit Königsberger Klopsen in den Händen, drei nackte Kugeln aus Hackfleisch in einer trübsinnig weißlichen Sauce, die mich an die Sauce zum gestrigen Fisch und an die Sauce zum Putengeschnetzelten von letzter Woche erinnert, und an mein Sperma auf dem Abzug eines Fotos von ihr, das ich letztes Jahr bei der Weihnachtsfeier geknipst habe, sie hatte glaube ich dasselbe an.
Anton v.Velhagen
FRIEDRICHSTRAßE 125
Velhagens Vehlerhafte Alltagsbeobachtungen | Nachlässige Notizen | Grummeliges Geschmier | Privates Pissior
Freitag, 20. November 2009
Freitag, 13. November 2009
Mordslust
Ich treffe einen Kollegen aus R&D im Coffee Shop.
- Wie gehts?
- Heute lustlos. Und selbst?
- Die übliche Standardhölle. Manchmal möchte ich alle ermorden...
- Bemüh Dich nicht. Sie werden doch ohnehin alle sterben.
- Einen fat-free Lattucino caramel to go medium, bitte.
- Wie gehts?
- Heute lustlos. Und selbst?
- Die übliche Standardhölle. Manchmal möchte ich alle ermorden...
- Bemüh Dich nicht. Sie werden doch ohnehin alle sterben.
- Einen fat-free Lattucino caramel to go medium, bitte.
Donnerstag, 12. November 2009
Frischhalteparolen
Abendliches Geschäftsessen, Besprechung der Präse für das Meeting am xx:yy, um yy:zz.
- Ich hätte die Muscheln gestern essen sollen.
- Warum?
- Da wären sie noch frisch gewesen.
Weniger später würge ich beim Anblick des Urinals, eine verkehrt herum aufgehängte Version von Marcel Duchamps "Fountain", und denke daran, dass angeblich jede zweite Muschel Hepatitis A hat.
- Ich hätte die Muscheln gestern essen sollen.
- Warum?
- Da wären sie noch frisch gewesen.
Weniger später würge ich beim Anblick des Urinals, eine verkehrt herum aufgehängte Version von Marcel Duchamps "Fountain", und denke daran, dass angeblich jede zweite Muschel Hepatitis A hat.
Montag, 2. November 2009
Ein Reflex des Himmels
Früher sagte meine Mutter, nur gute Menschen kämen in den Himmel. Früher sah ich von meinem Arbeitsplatz aus nur den grauen novembergrauen Himmel.
Le Chef sagte früher:
- Deprimierender Anblick, nicht? Aber viel deprimierender ist doch, dass das nun für sechs Monate so bleibt.
Dann verschwand er wieder in seinem Einzelzimmer mit Blick auf den Himmel.
Heute werde ich umgesetzt. Noch immer sehe den grauen Himmel, doch nun nur noch den, der sich in Stahl und Glas spiegelt. Ich werde diesen Anblick fotografieren und daraus ein Wallpaper für mein Notebook machen. Das wird dem Gerät eine individuelle Note geben.
Le Chef sagte früher:
- Deprimierender Anblick, nicht? Aber viel deprimierender ist doch, dass das nun für sechs Monate so bleibt.
Dann verschwand er wieder in seinem Einzelzimmer mit Blick auf den Himmel.
Heute werde ich umgesetzt. Noch immer sehe den grauen Himmel, doch nun nur noch den, der sich in Stahl und Glas spiegelt. Ich werde diesen Anblick fotografieren und daraus ein Wallpaper für mein Notebook machen. Das wird dem Gerät eine individuelle Note geben.
Montag, 12. Oktober 2009
Agenda Setter
Meeting am Montag morgen.
Nachdem sich xundzwanzig Personen gesetzt haben, eröffnet der Chef:
- Ich hab eigentlich nichts zu sagen. Ich bin auch völlig unvorbereitet. Daher frage ich einfach mal: Wie geht's euch denn so? Sind alle glücklich?
So entsteht Wärme am Arbeitsplatz. Inzwischen klackern die Gehaltseuros durch die Zeitzählmaschine, mal xundzwanzig Gehaltsschecks. natürlich nur für uns, die wir noch nicht gefeuert wurden.
Nachdem sich xundzwanzig Personen gesetzt haben, eröffnet der Chef:
- Ich hab eigentlich nichts zu sagen. Ich bin auch völlig unvorbereitet. Daher frage ich einfach mal: Wie geht's euch denn so? Sind alle glücklich?
So entsteht Wärme am Arbeitsplatz. Inzwischen klackern die Gehaltseuros durch die Zeitzählmaschine, mal xundzwanzig Gehaltsschecks. natürlich nur für uns, die wir noch nicht gefeuert wurden.
Samstag, 13. Juni 2009
Lourdes Boss
Der Chef steckt seinen Kopf hinter der Ecke hervor.
- Ich könnte den Schweiß aus meinen Achseln sammeln und in Lourdes verkaufen.
Keiner sieht auf oder antwortet.
Daher geht er wieder in sein Büro.
Ohne aufzusehen sage ich zu einer Kollegin:
- Das schlimme ist, dass einem diese Äußerungen von ihm nicht einmal mehr merkwürdig vorkommen.
- Ich könnte den Schweiß aus meinen Achseln sammeln und in Lourdes verkaufen.
Keiner sieht auf oder antwortet.
Daher geht er wieder in sein Büro.
Ohne aufzusehen sage ich zu einer Kollegin:
- Das schlimme ist, dass einem diese Äußerungen von ihm nicht einmal mehr merkwürdig vorkommen.
Mittwoch, 2. Mai 2001
Herren-Slips
In einer besonders dämonischen
Abteilung der Hölle
sitzen böse Geister und flüstern
den irdischen
Herstellern von Unterwäsche
grausame Vorgaben in ihre Träume.
Anders
ist nicht zu erklären,
warum Herrenunterwäsche
die kratzigen Nähte stets innen hat
und somit nur "auf links" getragen werden kann.
Abteilung der Hölle
sitzen böse Geister und flüstern
den irdischen
Herstellern von Unterwäsche
grausame Vorgaben in ihre Träume.
Anders
ist nicht zu erklären,
warum Herrenunterwäsche
die kratzigen Nähte stets innen hat
und somit nur "auf links" getragen werden kann.
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